ZZ-R 600 Ölwanne Gewinde futsch

Ölwechsel mit Umweg

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Zum Start in die neue Saison sollte natürlich auch der Ölwechsel nicht fehlen. Probleme? Kaum zu erwarten… Dachte ich! Nachdem das alte Motorenöl abgelassen und Filter getauscht waren, wollte ich die Ölablassschraube mit neuem Dichtring festziehen. Wollte, denn ich überdrehte. Warum und weshalb weiß ich nicht so genau. Ungeübt in soetwas bin ich eigentlich nicht, habe schon einige Ölwechseln an diversen Fahrzeugen erfolgreich durchgeführt. Dennoch ging diesmal was schief und da begann die Odyssee…
OK, was tun?! Gewinde reparieren? Joar, aber wenn dann nur mit demontierter Ölwanne, damit keine Späne in den Ölkreislauf gelangen. Dann sah ich aber eine Ersatzölwanne in den Gebrauchtteilen hier und ich habe Kontakt zum Forenmitglied „korn21de“ aufgenommen. Super Sache, die Ölwanne war zu haben, habe gleich bezahlt und sofort habe ich die Trackingnummer für das Paket bekommen. Habe mich für die Ersatzölwanne entschieden, statt Gewindereparatur der alten Ölwanne, da ich in der Ersatzölwanne eine sicher funktionierende Alternative sah und mit der Gewindereparatur unsicher war. Wow, super, jetzt läuft’s… Dachte ich erneut…
In Vorbereitung auf die neue, gebrauchte Ölwanne habe ich mit der Demontage der Alten begonnen. Dazu habe ich folgende Teile abgebaut:

  • Verkleidung vorn Mitte und unten, dazu auch Innenverkleidung Cockpit links und rechts abgebaut um an einen Clips und eine Schraube zu gelangen (Verkleidung Mitte)
  • Auspuff demontiert
  • Ölkühler abgenommen samt Ölleitungen Ölwanne <-> Ölkühler
  • Krümmer demontiert, dazu mit Gelenkstücken am Werkzeug am Wasserkühler vorbei geschraubt, Wasserkühler konnte also am Mopped verbleiben
  • Ölwanne (eigentlich kein Problem)

Zeitaufwand hierfür ca. 1,5h

Mit dem letzten Punkt begann Teil 2 meines Kampfes. Alle Schrauben an meiner 22 Jahren alten Zette konnte ich bis zu Ölwanne ohne Probleme lösen, bis auf die Vorletzte an der Ölwanne. Diese war so fest, dass ich mit bekannten Mitteln (Wärme, Kälte, Schläge, WD40) nicht vorwärts kam. OK, ab musste sie, also langsam immer weiter gedreht, ich spürte förmlich das Verdrehen der Schraube und dann „knack“ – ab war sie. Gewinde steckte also noch im Motorblock, der Rest kam mir entgegen und ich konnte die Ölwanne mit leichten Schlägen (Gummihammer) abnehmen.

So, wie weiter? Habe mich fürs Ausbohren entschieden. Klein vorbohren, dann stufenweise immer größer aufbohren. Also möglichst mittig mit Bohrer (HSS) Durchmesser 2mm angefangen und „Knack“ Nummer 2 erlebt – Bohrer abgebrochen. Glücklicherweise war ich schon gut 11mm in der alten Schraube drin, als der Bohrer abbrach. Die 11mm beziehen sich hierbei auf das Maß Dichtfläche zur Bruchstelle. Der Zwischenstand sah dann so aus:

Ein tieferes Aufbohren mit größeren Bohrern schlug ebenfalls fehl. Am Stumpf des 2mm HSS-Bohrers war stets Schluss und ich kam aus dem nachschleifen der Bohrer nicht hinterher. Was nun? … OK, dann muss es so bleiben. Habe dann auf 4,2mm aufgebohrt bis zur besagten Tiefe von 11mm und anschließend ein M5-Gewinde geschnitten. Bedingt durch den Anschnitt des mir vorliegenden Gewindeschneiders mit seiner Spitze, habe ich gut 7mm Gewinde in die alte M6-Schraube schneiden können. Der Versuch, eine M5-Schraube im neuen Gewinde fest zu bekommen, verlief vielversprechend.

Damit ich im Sackloch ein möglichst tiefes Gewinde schneiden kann, habe ich einen Gewindebohrer abgeschliffen und so mehr Gewindegänge schneiden können.

Da aufgrund des abgebrochenen 2mm-Bohrers im alten Schraubenstumpf die Bohrerspitze der größeren Bohrer etwa 1mm zur Seite weggelaufen ist, ist nun das Gewinde nicht exakt zentrisch. Ein Teil ist also im Motor-Alu, ein Teil in der alten Schraube. Nicht schön, aber anders ging’s nicht.

Bevor es an den Zusammenbau ging, wurden folgende Arbeiten ausgeführt:

  • Alle Gewinde im Motorblock nochmal gereinigt. Dazu per Hand mit Gewindeschneider jedes Gewinde einmal durchfahren, danach mit Bremsenreiniger und Druckluft vom Restschmutz befreit, den Großteil hatte aber meist schon der Gewindeschneider dran kleben
  • Ölsieb reinigen, dabei dessen O-Ring prüfen
  • Ölwanne innen und außen reinigen, inkl. Dichtflächen von alten Dichtungsresten befreien. Die Dichtungsreste habe ich mit einem Cuttermesser abgetragen, welches ich im flachen Winkel über die Dichtfläche gezogen habe. Anschließend mit 800er Nassschleifpapier solange in der Fläche (nicht lokal um Unebenheiten zu vermeiden) gearbeitet, bis kein Krümel alter Dichtung mehr zu sehen war. Außenreinigung der Ölwanne mit S100 Total-Reiniger Plus, innen mit Bremsenreiniger. Auch die Dichtflächen mit Bremsenreiniger entfettet, anschließend alles mit Druckluft trocken und ausgeblasen. Beim Arbeiten mit dem Cuttermesser aufpassen, dass man keine Kerben ins Alu schneidet. Uffbasse!
  • Dichtfläche am Motorblock von alter Dichtung bzw. dessen Resten befreien. Gleiche Technik wie an Ölwanne: Mit Cuttermesser flach drüber, Rest flächig mit 800er Nassschleifpapier nachgearbeitet bis kein Krümel mehr dran war. Mit Bremsenreiniger Dichtfläche entfettet, Motorblock außen auch mit S100 Total Reiniger Plus entdreckt.
  • Dichtung auf Ölwanne gelegt, nach dem Bohrbild der Ölwannenschrauben ausgerichtet und vorsichtig an Motor geheftet (Schrauben locker reingedreht bis noch „leichtes klappern“ spürbar war). Im Bereich wo das Gewinde repariert wurde, habe ich mich entschlossen, etwas Dirko HT aufzutragen, da ich „sicher“ gehen wollte und nicht im Falle des tropfenden Falles alles wieder zerlegen wollte. Dazu habe ich Dirko HT von außen in den lockeren „Klapperspalt“ zwischen Ölwanne und Motorblock gestrichen.

Nun alle Schrauben anziehen. Die M6er Schrauben habe ich mit Nenndrehmoment (8,8Nm) angezogen, die reparierte M5er Schraube nach Gefühl – fest eben.

Dann den Rest wieder dran gebaut, vorher noch Krümmerflansche gereinigt und neue Krümmerdichtungen eingesetzt. Bild zeigt die noch nicht gereinigten Krümmerflansche. Die Stehbolzen habe ich vor der Montage mit Kupferpaste bestrichen.

Fazit

Sicher ist dies keine professionelle Gewindereparatur, aber gerade der abgebrochene Bohrer im Sackloch hat die Arbeiten arg erschwert. Dennoch ist der Motor dicht und die Zette kann mit frischem Öl in die Saison starten.

Eine Diskussion zu diesem Bericht gibt’s auch im ZZR-Forum:

Herzlichen Dank auch wieder an ZZR-Foren-User „korn21“ für die schnelle Zusendung einer Ersatz-Ölwanne!

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